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Die Muse hat hier ein zu Hause

NIEBÜLL
(dew)


Für etliche Lehrer der Friedrich-Paulsen-Schule war der pädagogische Auftrag nicht nur Erziehung und Unterricht. Seit den Gründertagen trugen sie auch zum kulturellen Leben am Schulstandort bei. Besonders zu nennen ist das Laienspiel an der FPS. So fanden die Aufführungen des Schultheaters stets ein großes Interesse von Elternschaft und Freunden der Schule. Und je mehr die FPS "in die Jahre" kam, desto größer ist ihr kultureller Wirkungsradius geworden. Schon in den Dreißiger erfreute sich Walter Bambergs Marionettentheater, vor dessen Kulisse sich Werkunterricht und Laienspiel miteinander verbanden, großer Beliebtheit. In der Folgezeit verstanden es Kollegiumsmitglieder immer wieder, dem Theaterspiel eine individuelle Note aufzudrücken: Dr. Renate Stuhlfath, Dr. Emmy Hannöver, Manfred Thierbach, Dr. Droz und Eckhart Alexander Wachholz und in der Nachkriegszeit Rudolf Strey, der sich mit expressionistischer Bühnenmalerei auch künstlerisch auslebte. Eine der Aufführungen Streys, Manfred Hausmanns "Lilofee" rief sogar einen lokalen "Skandal" hervor, da eine Schülerin, empörte sich ein Lokalreporter, "allzu deutlich unter einer roten Laterne flanierte." In den Dreißigern hatte sich Dr. Wilhelm Heidrich um das Theaterspiel verdient gemacht. "Diese Facette schulischer Arbeit lebt neu auf", versicherte Studiendirektor Ulrich Zierke, der aber auch an den tiefen Knick in den Siebzigern erinnerte, wo zeitweise "nichts lief" und weite Schülerkreise "null Bock auf nichts" hatten. Theater an der Schule trage zur Persönlichkeitsbildung bei und fördere das Gemeinschaftsleben. Hausmusik hat eine noch größere Tradition an der Schule. Hier war die FPS stets Sammelpunkt von Talenten. Musikpädagogen wussten diese Talente zu führen und sie zu großartigen Leistungen auf der kleinen Bühne der Aula zu motivieren. Die FPS wurde für viele Künstler zu einem willkommenen Forum. Späte musikalische Höhepunkte wurden die gemeinsamen Stadthallen-Konzerte mit dem Gymnasium Tondern, die Musikfreunden aus nah und fern tolle Erlebnisse bescherten, vor allem durch die Leistungen der fantastischen Tonderaner. Ensembles, vor allem Schulchöre der FPS, erfreuten auch extern. Schüler und Lehrer der FPS musizierten oft zusammen . Die Musikerziehung an der FPS hat Namen: Heute sind Stephanie Budde und Ingo Hackert zu nennen, in früheren Jahren waren es Studienrat Wolfrum (man nannte ihn "Mozart") und Dr. Werner Schwarz. Zu nennen ist auch der Bödecker-Kreis, der sich zur Aufgabe gemacht hat, Schriftsteller zu erschwinglichen Konditionen zu Lesungen an die Schule zu holen. Der Kreis knüpft spät an die Ära der berühmt gewordenen "Knappe-Lesungen" der Nachkriegsjahre an. Immer wieder gab und gibt es Bemühungen an der FPS, Schüler mit zeitgenössischer Kunst in Verbindung zu bringen. Neben Exkursionen in Museen wurden und werden auch Theater- und Opernfahrten organisiert. Einen ganz großen Stellenwert hatte der Sport. Höhepunkte waren stets die Schulmeisterschaften in einem leichtathletischen Mehrkampf. An Manschaftssportarten wurden Hand- und später Fußball angeboten. Teams der FPS waren von Zeit zur Zeit dominierend im Lande. Zu Fritz Hadenfelts Zeiten wurden die Turnspiele Schlag- und Völkerball bevorzugt, in jüngerer Vergangenheit sind Volley- und Basketball dazugekommen. Die FPS brachte auch großartige Leichtathleten hervor. Ingo Röpner gehörte zur deutschen Elite der 400-Meter Läufer und wurde später in Tokio Studentenweltmeister. Die Schülerin Astrid Beiersdorf wurde als A-Jugendliche Vizeeuropameisterin im Weitsprung. Auch Lehrer der FPS waren in jungen Jahren "spitze": Georg Pochat als 800-Meter Läufer, seine Frau Irene als Sprinterin. Aus dem Bereich Mannschaftssport ist der FPSler Bodo Schmidt zu nennen, der mit Borussia Dortmund zwei Mal Deutscher Fußballmeister wurde. Vater Peter Schmidt, Lehrer an der FPS, ist A-Lizenz-Inhaber und könnte eine Bundesligamannschaft trainieren, ist aber "zu Hause" geblieben, um vor Ort jungen Talenten Beine zu machen.