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Studiendirektor Ulrich
Zierke ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen
Trauer um engagierten Pädagogen
(dew)
| Ulli Zierke ist tot. Diese
Nachricht verbreitete sich am Wochenende wie ein
Lauffeuer durch die Schulstadt. Der 61-jährige
Studiendirektor und Leiter der Mittelstufe der
Friedrich-Paulsen- Schule Ulrich Zierke ist am Sonnabend
auf der Fahrt zu einem seiner Kinder auf der
Bundesstraße 202 in der Nähe der Ortschaft Rastorf bei
einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Sein Wagen war
infolge extremer Straßenglätte gegen einen Baum
geprallt. Er ist noch an der Unfallstelle verstorben.
Seine Frau Gertraud wurde bei dem Unfall schwer verletzt,
ist aber nicht in Lebensgefahr. Unter Schülern, Eltern und vor allem im Kollegium herrscht tiefe Betroffenheit. In 33 Dienstjahren hat der engagierte Pädagoge wesentlich zum guten Ruf seiner Schule beigetragen. Umso größer ist die Lücke, die er hinterläßt. Ulrich Zierke wurde am 15. November 1939 im pommerschen Groß Kussow geboren, flüchtete mit den Eltern nach Schleswig-Holstein und beendete seine Schulzeit mit dem Abitur am Alten Gymnasium zu Flensburg. Nach dem Studium der Germanistik und Geschichte in Heidelberg und Kiel begann er am 27. August 1968 als Referendar an der FPS in Niebüll. Mit Ulrich Zierke kam frischer Wind ins Kollegium der FPS. Im Sog dieses Windes blieb mancher Kollege in Niebüll, statt die Absicht wahr zu machen, diesen "gottverlassenen" Ort |
schellstmöglich wieder zu
verlassen. Sehr früh gingen von dem Pädagogen und
Kollegen Zierke Wirkungen aus, die ihren Niederschlag
nicht zuletzt in seiner steilen Karriere fanden: 1970
Assessor, 1971 Studienrat und 1974 Oberstudienrat. 1978
war er einer jüngsten Studiendirektoren im Lande. An der FPS, wo er zeitweise das Schülerheim leitete und später als Mentor jungen Referendaren zur Seite stand, wurde ihm die Leitung der Mittelstufe übertragen, jenes schwierigen Bereichs der siebenten und achten Jahrgangsstufen, in dem Problembewusstsein und Verständnis für die Jugend besonders gefordert waren. Zierke wusste nicht nur die Sprache der Schüler zu sprechen, sondern sie auch zu verstehen. In diesem Rollenspiel sah er sich als Mittler zwischen jung und alt. Der Pragmatiker Ulrich Zierke gab sich gegenüber seinen Schülern auch zukunftsorientiert. Noch heute wird seine "Erfindung", angehenden Oberstufenschülern im neutralen Umfeld des Glücksburger Schullandheims "Anregungen für später" zu geben, erfolgreich praktiziert. Sein einstiger Chef Johannes Schwensen schätzte die Hinwendung Zierkes zu seinen Schülern, sein heutiger Chef Wolfgang Raloff die absolute Loyalität - die oft freilich erst nach kontroverser Diskussion deutlich wurde. Zierke zeigte sich trotz kritischer Distanz zu den Dingen harmoniebewusst. Wenn |
ein Disput mal zu seinem Gunsten
ausging, konnte ihm der persönliche Erfolg leid tun. Es wird in diesen Tagen viel über den Menschen U1rich Zierke gesprochen werden. Sein Freund Walter Fedders und andere Vertraute nannten den Sozialdemokraten Ulrich Zierke "Ulli sozial". Während einer Wahlperiode war er bürgerliches Mitglied der Stadtvertretung, zog sich dann aber wieder in das Berufsfeld Schule zurück, das ihn voll in Anspruch nahm, das er als persönliches Identifikationsfeld sah. Stets stark im Wort, hatte er sich schon als "junger Bursche" an aktuellen Diskussionen beteiligt, als es um die Erhaltung der FPS ging, die zeitweise in Gefahr geraten war, in einer Gesamtschule "unterzugehen". Aber auch im Vorfeld der reformierten Oberstufe hatte er an notwendigen Entscheidungen Anteil. Kurzum: in vielen Phasen des schulischen Lebens waren seine Meinung und sein Urteil unverzichtbar. Ulrich Zierke sah die Schule als Feld der Kooperation und als "Schule mit Herz". Wie sehr er an ihr hing, zeigt auch, als er einmal sagte: "Wenn ich einmal pensioniert bin, lasst mir einen Schlüssel, damit ich vergessliche Kollegen hereinlassen kann, falls sie mal ihren Schlüssel vergessen haben." |