Freunden deutscher Filmkunst
steht in der Jubiläumswoche der Friedrich-Paulsen-Schule
ein besonderes Ereignis ins Haus. In der Stadthalle wird
am Mittwoch, 20. September, 20 Uhr, der
Stummfilmklassiker "Metropolis" aufgeführt. Im
Rahmen einer Welttournee zwischen Tokio und Toronto sowie
Moskau und Kairo und nach München, Köln und Berlin läuft
in Niebüll die 97. Aufführung. "Vermittler"
waren der ehemalige Friedrich-Paulsen-Schüler Manfred
Callsen aus Leck, die ehemalige Konrektorin Brigitte
Reuther und FPS-Lehrerin Dörte Wilbrand, die den "Filmvertrag"
mit dem Pianisten und Leiter der Europäischen
Filmphilharmonie Frank Strobel (Berlin) perfekt machten.
Frank Strobel wird den Stummfilm auch mit seinem Partner
Pierre Oser, einem Musiker und Komponisten, auf zwei in
Flensburg georderten Konzertflügeln begleiten. Das
Filmereignis gewinnt insoweit an Bedeutung, als Fritz
Langs 1925 gedrehter Klassiker bei der UNESCO zusammen
mit Beethovens Neunter, Konrad Zuses erstem Rechner,
Goethes gesammelten Werken und der Gutenberg-Bibel als
Weltkulturgut nominiert worden ist. Wenn man so will,
feiert der Film sowie die FPS 75-jähriges Bestehen. Der
Film spielt in einer Zeit, in der sich auch die Schule
mit politischen und pseudoreligiösen Strömungen
auseinander zu setzen hatte und lässt erste
nationalsozialistische Züge ahnen. Was heute "in"
ist, dachte damals Fritz Lang voraus: seine Filmtricks
gelten als Vorläufer für Science-Fiction-Filme. Frank
Strobel ist Topexperte auf dem Gebiet der Filmmusik. Der
heute 34-jährige war eine Zeit lang Dirigent des
Babelsberger Filmorchesters und richtete Originalmusiken
und Neukompositionen diverser Komponisten zu insgesamt 15
Stummfilmeklassikern ein - auch für die 1981
rekonstruierte Fassung von "Metropolis" nach der
Originalmusik von Gottfried Huppertz. Huppertz gehörte
dem Genre der damaligen Filmkomponisten an, die in der Blütezeit
des Stummfilms ein beträchtliches Niveau hatten.
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Seine Partitur zum
utopischen Metropolis-Streifen zeichnet sich dadurch aus,
dass er den Hauptfiguren der Handlung ein bestimmtes
Thema gab, das in der Handlung immer wiederkehrt. Aus der
für große Symphonieorchester geschriebenen Partitur
fertigte Huppertz einen Klavierauszug, dessen Hauptpart
bei Franz Strobel liegen wird - etliche Melodieführungen
und Verdichtungen bei Pierre Oser am zweiten Flügel.
Dass "Metropolis" zum größten Monumentalfilm
der deutschen Kinogeschichte wurde, lag auch am Aufwand.
Die Dreharbeiten dauerten 310 Tage und 60 Nächte, die
Produktion kostete 5 Millionen Reichsmark. Dennoch: der
Film floppte. Der 210 Minuten-Streifen spielte die Kosten
nicht ein. Die Ufa rutschte in die roten Zahlen. Fritz
Lang erzählt in seinem Film von der Zukunftsstadt
Metropolis (New York), in der ein dämonischer
Wissenschaftler einen Sklavenaufstand entfesselt, indem
er einen weiblichen Maschinenmenschen als Agitator
benutzt. Die Revolte mündet im Chaos und in der Zerstörung
der Maschinen, endet aber in der Versöhnung von
Arbeitern und Oberschicht. Vor dem Film wird um 19.30 Uhr
eingeladen, sich die Ausstellung "Die zwanziger
Jahre - in Niebüll und anderswo" anzusehen. Karten
im Vorverkauf in der "Friesischen Buchhandlung"
und der "Bücherstube" in Niebüll.
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