| l Presse l |
|
Gymnasiasten und Lehrer der Friedrich-Paulsen-Schule überraschten Zuhörer auch mit "Tonmischungen" Vertraute und neue Töne beim Hausmusikabend NIEBÜLL Manchmal sind es nur Analogien, die zwischen dem musikalisch Besonderen und dem geisteswissenschaftlichen Allgemeinen vermitteln. Im Laufe des Hausmusikabends in der Niebüller Friedrich-Paulsen-Schule wurde einmal mehr deutlich, dass die Bedeutung eines Musik-Kunstwerkes nicht auf das beschränkt ist, was der Komponist meinte, sondern sich in der Geschichte auch verändert. Die Schüler spannten einen weiten Bogen von der traditionell-klassischen Musik bis zu den periodischen Luftschwingungen in John Zorns Klangspiel aus dem Jahre 1998, die Tonempfindungen entsprechen sollen. Ein interessantes Experiment, bei dem zweckentfremdende Mittel als Ersatz für Musik zum Tragen kommen. Um es vorweg zu nehmen, der Hausmusikabend war wie immer - ein Genuss, den sich an die 230 Zuhörer nicht entgehen ließen. Vor 50 Jahren - so lange werden laut Oberstudiendirektor Wolfgang Raloff an der Friedrich-Paulsen-Schule Hausmusikabende präsentiert - gab es weit weniger Gymnasiasten und entsprechend weniger Angehörige. Da reichte der Platz in der Aula noch. Heute muss für den musikalischen Genuss zusammengerückt werden. Die Schule hat keine Nachwuchssorgen mit jungen Musiktalenten. Das dürfte die beiden Musikpädagogen Stephanie Budde und Ingo Hackert immer wieder anspornen. Sie hatten auch die Leitung des Abends übernommen. Stephanie Budde versucht, wie sie sagte, alle Schüler zu ermutigen, Musik zu machen. Es sei so wichtig für junge Menschen, sich frei zu machen von Ängsten und vor Publikum aufzutreten. Nicht alle Schüler schafften das so souverän wie die beiden Elsäßer-Brüder Eugen und Nicolas. Mit dem vierhändigen Klavierbeitrag eines Erstlingswerkes ihres Klavierlehrers Rainer Effenberg, das dieser mit 16 Jahren komponiert hatte, brachten sie die Aula in Aufruhr. Mit sicherem, kräftigem Anschlag entlockten die erst 15 und 12 Jahre alten Brüder dem Instrument erstaunliche Tonfolgen und Rhythmen, die häufig ganz anders erfolgten als erwartet. Die Zuhörer hatten ihr Vergnügen an einem wahren Feuerwerk technischer Virtuosität. Sehr sicher traten auch Nadine Petersen, Synje Nissen, Verena Tybussek, Anna Soujon und Jan Peter Opderbeck aus dem 13. Jahrgang auf. Die Gruppe erhielt tosenden Beifall für ihre Gesangsstücke mit instrumentaler Begleitung bei Kerzenschein, Anja Büttner aus der Unterprima hatte sich ein Phantasiestück für ihren sauber intonierten Klarinettenvortrag ausgesucht. Bettina Wolff (Untersekunda) spielte eine ungarische Weise auf ihrer Violine, während sich Jan Peter Opderbeck (Oberprima) an die Pastorale" aus dem Concerto grosso des italienischen Geigers und Tonsetzers Arcangelo Corelli wagte. Auf dem Klavier begleitete dann Anna Soujon ihre beiden Jahrgangskameradinnen Nadine Petersen und Verena Tybussek, die sich mit ihrem 'charmanten "Katzenduett" des italienischen Opernkomponisten Gioacchino Rossini in die Herzen der Zuhörer miauten". " Aus den "Enigma-Variationen" von Edward Elgar hatte sich die Querflötistin Elke Christiansen (Oberprima) Thema und Variation ausgesucht, das sie fehlerfrei spielte. Eugen Elsäßer trat dann als Komponist mit seiner noch namenlosen Band mit Kieran Potthoff, Bettina Wolff, Niels Springfeld und Timo Linde (Unter- und Obertertia) auf die Bühne. Beim dritten Versuch - Eugen wechselte bereits die Gesichtsfarbe und kratzte sich am Kopf während Bettina grinste und das Publikum seinen Spaß hatte kam der Bassist "in die Puschen", so dass Eugen endlich loslegen konnte. Er sang vom "Nice Girl", dem Mädchen, dass er in Italien während einer Klassenreise kennen gelernt hatte. Der Musikkurs des 13. Jahrgangs wartete mit der "Fuge aus der Geographie" von Ernst Toch auf Die Schülerinnen und Schüler trugen mit diesem witzigen Stück wesentlich zur ohnehin schon heiteren Stimmung des Abends bei. Unter der Regie von Stephanie Budde ging es nach der Pause weiter mit bekannten Liedern wie "Aux Champs Elysées" und "Be my baby". Schüler der Klasse Obersekunda d und der Oberprima traten als Chor auf. Der Abschluss des Projektes Neue Musik in der Schule" , das der in der Nähe von Goslar lebende Komponist Wolf gang Knuth seit Frühjahr diesen Jahres am Niebüller Gymnasiums leitete, war die Krönung des Abends. Die Zuhörer waren gefragt, sich in dessen Geschehen einzubringen und Worte zu formulieren. Noten gibt es keine in John Zorns Stück "Cobra", statt dessen jede Menge Anweisungen auf Schildern und Pappen. Die Begriffe des Publikums wurden zu musikalischen Erscheinungen, die sich als chaotische Tonmischung in der Aula fortpflanzten. Geruhsam schloss der Abend mit Weihnachtsliedern, die von der Blechbläsergruppe einiger Eltern und Schüler der Friedrich-Paulsen-Schule begleitet wurden. |