Nordfriesland Tageblatt: Jugend debattiert: Übung in Demokratie
19.02.11, von dew

NIEBÜLL Der Wettbewerb "Jugend debattiert", ein Projekt der sprachlich-politischen Bildung, ist in eine neue Runde eingetreten. Die Friedrich-Paulsen-Schule (FPS) Niebüll, die seit 2002 mitdebattiert, war zum sechsten Mal Gastgeberin für den Wettbewerb im Regionalverbund Nord.

Am Wettstreit beteiligten sich neben der Gastgeberin das Nordseegymnasium St. Peter Ordnung und erstmals die Domschule Schleswig. Die Teilnahme anderer weiterführender Schulen lässt eher zu wünschen übrig, sieht man einmal von einem sporadischen Mitmachen einiger Husumer Gymnasien ab.

In den im Wettbewerb gestellten Themen geht es um Entscheidungsfragen, die eine Debatte erzeugen, um Zustände und Situationen, die regelungsbedürftig - und damit politisch - sind. Dabei stehen weniger das Wie oder Warum im Mittelpunkt, sondern das Pro und Contra, die freilich mit möglichst treffenden Argumenten zu belegen sind - und das alles auch noch eloquent und im Rahmen bestimmter Regeln. Diese betreffen sowohl das Prozedere einer Debattierrunde als auch die Art und Weise, wie der Schüler auftritt.

In der Niebüller Vorrunde hatten sich die Schüler der Sekundarstufe I mit der Frage, ob in der Schule ab Klasse 8 regelmäßig Erste Hilfe verpflichtend sein soll und ob an den Schulen in Deutschland außerhalb des Sprachunterrichts nur Deutsch gesprochen werden soll, zu qualifizieren. Finalthema war die Frage, ob die private Haltung gefährlicher Wildtiere verboten werden soll. In Sekundarstufe II ging es darum, wie weit Google Street View Stadt und Gemeinde erfassen und ob Schusswaffen in Privathaushalten verboten werden sollten.

Das recht schwierige Finalthema warf die Frage auf, ob Schutzimpfungen für Kinder gesetzlich vorzuschreiben sind.

Unterm Strich ergaben sich ebenso spannende wie interessante Debatten - allesamt mit offenem Ausgang. Aus dem eher marginalen Resultat der "Tierdebatte" war herauszuhören, dass die Haltung jener Tiere verboten werden sollte, die Gefahr für Leib und Leben bringen. Die "Impfdebatte" lief darauf hinaus, dass eine Schutzimpfung dem Wohl der Allgemeinheit dient, zumal Impfungen die Menschen bereits von etlichen Seuchen befreit haben. Die Gegenseite sprach "das Recht auf den eigenen Körper" und die zu befürchtenden Nebenwirkungen an, der die Pro-Seite entgegen hielt, dass Nebenwirkungen geringer seien als der Erfolg.

Die Final-Teilnehmer nahmen in einem Feedback positive und negative Kritik entgegen und sahen sich am Ende in dieser Reihenfolge. Sekundarstufe I: Simon Looks, Tim Friedrichsen, Moritz Funk und Patrick Nahnsen (alle FPS); Sekundarstufe II: Mikko Preuß (FPS), Torben Perleberg (Nordseegymnasium), Ragnar Thomsen, Laura Gehrmann (beide FPS). Die jeweils beiden Erstplatzierten treten am 21. März im Kieler Landtag zum Landesfinale an, an dem sie sich für das am 3.Juni in Berlin stattfindende Bundesfinale qualifizieren können.

Die FPS, nach Angaben von Studienrätin Dörte Wilbrand auf Landesebene erfolgreichste Schule, errang auch auf Bundesebene vordere Plätze. Alexander Osterkorn wurde im vergangenen Jahr sogar Bundessieger.

Veranstaltet und gefördert wird der Debattierwettbewerb gemeinsam von der Hertie-, Robert-Bosch-, Mercator- und Nixdorf-Stiftung. Schirmherr ist der Bundespräsident, Kooperationspartner sind die Kultusminister.

Die Schüler debattierten in Niebüll über eine Reihe brennender Fragen. Foto: dew