Nordfriesland Tageblatt: Neue Medien als "Miterzieher"
14.02.11, von dew
Schüler der Friedrich-Paulsen-Schule erlernten in einem Seminar den bewussten Umgang mit Internet & Co

Quartaner der FPS scharen sich um ihre Mitschülerin Denise, die gerade etwas Interessantes aus dem "Netz" heruntergeladen hat. Foto: dew

NIEBÜLL Medien in ihrer heutigen Vielfalt sind längst zu einem "Miterzieher" für Kinder und Jugendliche geworden. Während der Nachwuchs wie selbstverständlich mit ihnen aufwächst und sie anwendet, müssen manche Eltern und Lehrer den kompetenten und verantwortlichen Umgang mit neuen Medien erst lernen. In dem hieraus entstehenden Vakuum bewegen sich die Jugendlichen, oft ohne zu wissen, welchen Risiken und Gefahren sie sich aussetzen.

In einem Seminar, das an der Friedrich-Paulsen-Schule zum zweiten Mal für Siebtklässler angeboten und vom FPS-Freundeskreis gesponsert wurde, ging es um das Thema "Medienkompetenz für Schüler". Über 100 Schüler aus fünf Quarten des Niebüller Gymnasiums kamen mit den Sozialpädagogen und Anti-Gewalt-Trainern Dirk Buhmann und Florian Punke vom "Institut für Gewalttraining, Selbstbehauptung und Konflikttraining" (IGSK) in einen umfassenden Dialog, in dem das Seminarthema sowohl aus Sicht der beiden Erzieher als auch aus Sicht der Schüler intensiv behandelt wurde.

Medienkompetenz - das ist der selbstbestimmte, kreative und sozial verantwortliche Umgang mit den Medien, um sie zur Gestaltung der eigenen Lebenswelt zu nutzen. Medien - das sind Handy, Internet, Fernsehen, PC-Spiele, Spielkonsolen, Video, DVDs und Musik. Gerade die sogenannten neuen Medien bieten nahezu unbegrenzte Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung, bringen aber auch ungeahnte Gefahren in das Wohn- und Kinderzimmer. Fluch und Segen liegen nahe beieinander.

Sinn des Seminars an der FPS war, mit den Schülern ins Gespräch zu kommen, sie über die neuen Medien zu informieren und sie für einen kritischen und kompetenten Umgang fit zu machen, ihnen aber auch vor Augen zu führen, dass das "weltweite Netz" kein rechtsfreier Raum ist.

Die beiden Referenten stießen in allen fünf Klassen auf lebhafte Resonanz. Die jungen Quartaner offenbarten vor allem Redebedarf, erzählten über ihre Erfahrungen, übers Chatten mit anderen, das Übersenden von Fotos, berichteten über ihren Tagesablauf und listeten auf, was ihnen daheim an Medien zur Verfügung steht. In der Qarta 7d etwa hatten 23 der 24 anwesenden Schüler einen Computer beziehungsweise Laptop. Eine Schülerin hatte keinen. Sie würde sich nach den Worten ihrer Eltern dann einen PC anschaffen dürfen, wenn sie ihr Pferd verkauft. Die Schülerin hat sich fürs Pferd entschieden.

Lennart kommt gerade eben mit seiner Zeit aus. Schule, Schularbeiten, Tanztraining und Badminton: gegen 20 Uhr oder nur wenig später ist für ihn Bettzeit. In den winzigen Zeitnischen stehen ihm Handy, TV, Laptop, MP3-Player und Stereoanlage zur Verfügung, wobei er letztere für passende Musik für seinen Lieblingssport Turniertanz nutzt.

Mitschülerinnen kamen ins Grübeln, als ihnen bewusst gemacht wurde, dass die von ihnen verschickten Selbstporträts auch ins Netz gestellt werden können, unter Umständen womöglich verändert - manipuliert. Und allesamt nahmen die Schüler mit auf den Weg, dass das Herunterladen von Musik sehr teuer werden kann, während die Gefahr beim Handytelefonieren dort ihre Grenze hat, wo die vorausbezahlte "Sim-Karte" zu Ende ist.

"Man sollte immer mit jemandem reden, der Ahnung von der Materie hat", rieten Dirk Buhmann und Florian Punkte den Schülern. Sie selbst machten sich nach eigenen Worten mit positiven Eindrücken auf den Weg, die sie von den aufgeschlossenen Quartanern gewonnen hatten.

Für weitere Fragen empfahlen sie, www.i-gsk.de anzuklicken. Dort sei umfassender zu erfahren, was in einem zeitlich begrenzten Seminar nicht umfassend behandelt werden kann.