Nordfriesland Tageblatt: Abitur an der FPS: Elternwille sorgt für Kehrtwende
11.03.11, von uw
Amtsausschuss stimmt Vorschlag für neunjährigen Bildungsgang zu

AMT SÜDTONDERN Der Elternwille sorgte für eine überraschende Kehrtwende an der Friedrich-Paulsen-Schule. Die ursprünglichen Pläne für das sogenannte Y-Modell beim Abitur mit der Wahlfreiheit für einen acht- oder neunjährigen Bildungsgang sind vom Tisch. Die Mehrheit der Eltern hat sich für G 9 ausgesprochen. Für die Mehrheit im Amtsausschuss Südtondern war dieser Elternwille maßgeblich. Entsprechend fiel die Entscheidung für den neunjährigen Bildungsgang.

Schulleiter Manfred Wissel erläuterte den Hintergrund für die Kehrtwende. Eingangs stellte er mit Hinweis auf den nachlassenden Übungseffekt beim schnellen Abitur fest, "dass uns G 8 nicht glücklich gemacht hat". Angepeilt wurde in der FPS das Y-Modell mit Wahlfreiheit zwischen G 8 und G 9. Für die Genehmigung des Y-Modells setzt das Kieler Ministerium aber voraus, dass sich im ersten Jahrgang genügend Schüler für zwei Lerngruppen mit achtjährigem Bildungsgang finden, damit in jedem Jahrgang eine zweizügige Oberstufe eingerichtet werden kann. Die Schule erkundete mit einer Umfrage den Elternwillen in den fünften Klassen. 140 sprachen sich für G 9 und nur sieben für den achtjährigen Bildungsgang aus. Es dürfe als sicher gelten, so der Schulleiter, dass das Wahlverhalten der Eltern jener Kinder, die zu Beginn des Schuljahres 2011/12 in die FPS eingeschult werden, vergleichbar sein werde.

Als Schulträger sollte nun der Amtsausschuss dem Vorschlag der Schule für den neunjährigen Bildungsgang zustimmen. "Wir sollten den Unsinn heute nicht beschließen", forderte Amtsausschuss-Mitglied Thomas Nissen (Neukirchen). Er hielt es mit Blick auf einen möglichen Regierungswechsel und dann zu erwartenden Änderungen in der Bildungspolitik für sinnvoller, mit dem Beschluss ein Jahr zu warten. "Die Eltern haben entschieden, so soll es bleiben", entschied Jochen Muxfeld (Enge-Sande) kurz und bündig.

Amtsausschuss-Mitglied Gesche Zimmermann (Niebüll) wies darauf hin, dass Schleswig-Holstein das einzige Bundesland sei, in dem es noch den neunjährigen Bildungsgang gibt. Sie machte weiter darauf aufmerksam, dass am Fachgymnasium die Möglichkeit für das G 9 besteht und gab zu bedenken: "Wir nageln die Eltern wohnorttechnisch auf Niebüll fest." Damit machte sie deutlich, dass im Falle eines Umzugs ein Wechsel auf ein Gymnasium mit einem neunjährigen Bildungsgang nicht möglich ist, weil es den anderswo nicht mehr gibt. "Was wir nicht gebrauchen können, ist, zwei Jahre dies, zwei Jahre das", stellte Klaus Schmidt (Leck) kritisch fest und forderte bundesweit eine einheitliche Regelung. Er plädierte dann ebenfalls dafür, bei der Entscheidung den Willen der Eltern zu respektieren.