Nordfriesland Tageblatt: Gewalt in der Schule: FPS setzt auf Vorbeugung
10.02.11, von dew
In Niebüller Gymnasium wird das Thema Gewaltprävention in Workshops aufgearbeitet

Svea und Ann-Elen im Szenenspiel um die "Abzocke". Foto: dew

NIEBÜLL Mobbing, Abzocke, Erpressung, Sachbeschädigung oder körperliche Gewalt machen auch vor den Schulen nicht Halt. "Das ist zweifellos ein großes Thema. Die Friedrich-Paulsen-Schule scheint von der einen oder andern Form auch nicht ganz frei zu sein", erklärte Studienrätin Sylke Christiansen. Zusammen mit ihren Kollegen Hermann Gellermann und Jan Wolters führt sie mit den Untertertien Workshops zum Thema Gewaltprävention durch und wird dabei von der Polizeizentralstation Niebüll, vertreten durch Polizeihauptkommissar Carsten Nissen und Polizeioberkommissarin Andrea Jensen, unterstützt.

In den Workshops geht es der FPS gemeinsam mit der Polizei darum, dass sich die Schüler der achten Klassen Gedanken über Gewalt und deren unterschiedliche Erscheinungsformen machen und für das komplexe Thema sensibilisiert werden. In den besonderen Unterrichtsstunden zeigten die beiden Beamten Filme zu den Themen verbale und körperliche Aggression, über Mobbing, Sachbeschädigung/Graffitti und Erpressung. Die Schüler spielten die jeweiligen Szenen nach und erarbeiteten danach Möglichkeiten, wie die Konfliktsituationen gelöst werden können.

Als neue Variante kam das "Happy Slapping" hinzu, eine Art "Handy-Gewalt" und neuer Trend, nach dem Schüler oder auch andere Personen von jugendlichen Schlägern angegriffen und zusammengeschlagen - und wenn es weibliche Opfer sind - sogar vergewaltigt werden. Die Szene wird per Handy oder Videokamera gefilmt und ins Internet gestellt.

Gemeinsam mit den Polizeibeamten und der Pädagogin wurde das Nachgespielte und Gesehene aufgearbeitet und diskutiert - und dann nach geeigneten Lösungen gesucht. Allen Szenen war gemein, dass man nicht, ohne etwas unternommen zu haben, zur Tagesordnung übergehen sollte. "Uns geht es um die Kultur des Hin- statt Wegsehens", sagte Oberkommissarin Andrea Jensen, der die Präventionsarbeit ein besonderes Anliegen ist.

Sie und ihr Kollege Carsten Nissen warnen jedoch davor, in einem Konflikt allein tätig zu werden. Stattdessen sollte lieber Hilfe geholt, die Polizei gerufen oder nach einer Lösung gesucht werden, ohne selbst in Gefahr zu geraten. Im Workshop hatten die 13 bis 14-jährigen Gymnasiasten auch Gelegenheit, über persönliche Erfahrungen mit Gewalt im Alltag und in der Schule zu berichten. Außerdem wurden die einzelnen "Tatbestände" sachlich geordnet und definiert und die strafrechtlichen Konsequenzen erörtert.

Bedacht wurde auch darauf genommen, dass Kritik an dem einen oder andern Zustand möglichst "sozialverträglich" geäußert werden sollte. Im schulischen Bereich, würden eher schwächere Formen von Gewalt vorkommen. Doch auch kleinere Vorfälle, sagt die Polizei, sollten zielgerichtet angegangen werden, um möglichen späteren Exzessen vorzubeugen. Schüler, Lehrer und Elternhaus können gemeinsam zu einem guten Schul- und Klassenklima beitragen.