Nordfriesland Tageblatt: Malerische Bretterwand
30.12.10
Bauzaun in Niebüller Hauptstraße diente als Versuchsfeld für junge Kreative.
Gelungener Abschluss: Künstler und Initiatoren weihten die "Kunst am Zaun" ein. Foto: dew
Niebüll - "Super gelungen!", so beschrieb Inke Jensen, Ehefrau eines der beiden Investoren, die auf dem ehemaligen Grundstück des Deichbauamts ein Bauvorhaben planen, die "Kunst am Zaun", die dem Kunstmaler Ponchai Lüders und jungen Gymnasiasten einer Niebüll-Tonderner Europaklasse unter der Leitung von Studienrätin Andrea Awe zu verdanken ist.

Inke Jensen hatte dem Stadtmarketing den Vorschlag gemacht, dass auf den tristen Platten des Bauzauns etwas gemacht werden könnte, wobei sie weniger an Graffiti mit witzigen Figuren oder Parolen dachte, sondern an etwas Künstlerisches. Stadtmanager Holger Heinke griff den Vorschlag auf, gewann den in Emmelsbüll-Horsbüll lebenden Maler Ponchai Lüders hinzu und löste auch bei der Europaklasse kreative Begeisterung aus.

Die VR-Bank als Sponsor und das Kulturbüro stiegen in das Projekt mit ein, für das schnell ein Thema gefunden wurde: Es sollten Motive aus der Stadt und der nahen Umgebung sein. Der Künstler lieferte drei davon: das ehemalige Rathaus (heute Haizmann-Museum), das ehemalige Landratsamt (heute Naturkundemuseum) und ein Urlaubsmotiv. Die Klasse 12e steuerte Bilder und Szenen aus der Stadt und Umgebung bei: unter anderem die Badewehle, den Rathausplatz, die Deezbüller Kirche, den Fährhafen Dagebüll, den Tannenbaum vom Weihnachtsmarkt, die Nachbargymnasien Tondern und Niebüll und den Hubschrauber Christoph Europa 5, der am Klinikum abhebt.

Haizmann- und Naturkundemuseum sind noch nicht vollendet. "Wind, Wetter und Regen schlugen mir den Pinsel aus der Hand", entschuldigte sich Lüders. Er macht zurzeit eine malerische Pause auf dem schwarzen Kontinent und wird erst im März zurück sein, um den Museen noch deren Inhalte in Form symbolisierter Exponate hinzuzufügen.

Eine offizielle Einweihung der Bretterwand fand dennoch statt - als Geschenk an die Bürger aus Stadt und Land gedacht und zur Freude der Schüler der Europaklasse und ihrer Kunstpädagogin, die in diesem für die beiden Gymnasien bislang einmaligen Projekt eine wertvolle Erfahrung für ihre Klasse sieht.

Initiatorin Inke Jensen setzte noch einen Vorschlag oben drauf. Jetzt sollen zusätzlich Gucklöcher in die Plattenwand gesägt werden. "Damit auch die kleinen Niebüller zuschauen können, wie tüchtige Maurerleute einmal Stein auf Stein setzen und wie ein neues Stadthaus entsteht, dort, wo einmal das alte Deichbauamt stand."
dew