Nordfriesland Tageblatt: Nachmittags Betreuung statt Unterricht
28.12.10
VHS übernimmt Organisation der Offenen Ganztagsschule.
Vertragsunterzeichnung: Schulleiter Manfred Wissel und Hans-Ferdinand Sönnichsen, Bürgermeister Wilfried Bockholt, Peter Schipper (VHS) und Amtsdirektor Otto Wilke. Foto: dew
Niebüll - Zwei Schulen unterschiedlicher Art, die Friedrich-Paulsen-Schule (FPS) und die Regionalschule Niebüll, tun sich in der Gestaltung der Offenen Ganztagsschule (OGS) zusammen. Nachdem ihnen der Status der OGS zuerkannt wurde, erkannten beide Schulen Gemeinsamkeiten, die unter einem organisatorischen Dach veranstaltet werden können.

Dieses Dach ist die Volkshochschule Niebüll. Sie übernimmt die Organisation der OGS und wird Schülern beider Einrichtungen Programme zur Gestaltung der Nachmittagsstunden anbieten. Die Schulträger und die VHS schlossen einen Kooperationsvertrag, den für die FPS Amtsdirektor Otto Wilke, für die Regionalschule Bürgermeister Wilfried Bockholt und für die VHS deren Vorsitzender Peter Schipper unterzeichneten. "So etwas ist hier noch nie dagewesen", sagte Amtsdirektor Wilke und berichtete, dass sich beide Schulen schnell einig waren.

Weil die Offene Ganztagsschule eines Trägers bedarf, wurde dieser schnell in der VHS ausgemacht, mit dem sich beide Schulträger einverstanden zeigten, zumal die Volkshochschule mit "lebenslangem Lernen", wie Schipper betonte, über eine 65-jährige Erfahrung verfügt. Die Arbeit mit Jugendlichen in einer OGS ist allerdings neu. Das Ganze sei erst einmal ein Anfang, bat Amtsdirektor Wilke um Geduld, zeigte sich jedoch zuversichtlich, mit der VHS eine gute Lösung gefunden zu haben.

Die Volkshochschule sieht sich als Dienstleister, der neben organisatorischen Aufgaben unter anderem Kurse anbieten sowie die Hausaufgabenbetreuung übernehmen und Honorarkräfte einsetzen wird. Für das sportliche Angebot sollen der TSV Rotweiß und der SV Frisia 03 mit ins Boot genommen werden. Ansprechpartner bei der VHS wird deren Geschäftsführer Gerd Heide sein. Die Teilnahme an der OGS ist den Schülern freigestellt.

Die Ganztagsschule sei kein Unterricht, sondern Betreuung. Darauf wies Bürgermeister Wilfried Bockholt hin, der in der OGS eine Antwort auf den gesellschaftlichen Wandel und auf eine veränderte Arbeitswelt sieht. Bockholt erkannte an, dass die neue Einrichtung Auswirkungen auf den Vereinssport hat, dem Zeiten verloren gehen. Daher würden die beiden Sportvereine als Partner einbezogen.

"Es gibt Schnittmengen, wo es Sinn macht zu kooperieren", sagte Oberstudiendirektor Manfred Wissel (FPS) und führte als Beispiele die Bereiche Hausaufgaben und Sport an. In der VHS sieht Wissel nicht nur den Organisator, sondern auch einen Partner mit pädagogischem Background. "Gesellschaftliche Veränderungen finden nicht nur in Berlin und Hamburg, sondern auch bei uns statt", stellte Rektor Hans-Ferdinand Sönnichsen fest und meinte, dass eine OGS den Schulerfolg fördern könne. Zu den vermeintlich negativen Auswirkungen auf den Sport meinte der Leiter der Regionalschule: "Wir machen dem Sport weder Zeit noch Raum streitig. Wir arbeiten mit ihm zusammen."

Peter Schipper: "Es gibt Situationen, in denen man zugreifen muss." Die Schüler würden dich Chance bekommen sich einer Einrichtung zu bedienen, die Erfahrung hat. Das Arbeitsvolumen der VHS werde sich zwar verdoppeln, so Schipper, jedoch würden auch Hemmschwellen zur VHS abgebaut - die vor allem technisches Know How anbiete.

Die Offene Ganztagsschule startet offiziell am 1. Februar des kommenden Jahres.
dew