Nordfriesland Tageblatt: Die Natur mit anderen Augen sehen
je 19.06.10
Schüler entdecken bei Streifzügen durch die städtischen Grünanlagen und Gärten 150 Pflanzen- und 250 Tierarten.
Im Naturkundemuseum wird ausgewertet und bestimmt, was draußen in der Natur gefunden wurde. Foto: dew
Niebüll - Der bisher vierte Tag der Artenvielfalt, durchgeführt von Friedrich-Paulsen-Schülern des 9. Jahrgangs in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzverein Südtondern und dem Naturkundemuseum in der Stadt, brachte eine Fülle von Pflanzen- und Tierarten zutage. Bundesweit gibt es 40 000 Tier- und 4000 Pflanzenarten, im Lande deren 10 000 beziehungsweise 1300. Im Bereich der Stadt, schätzt FPS-Biologie-Lehrer Dr. Uwe Sörensen, sind es etwa 2500 Tier- und 300 Pflanzenarten.

Einen Aktionstag zum Thema Artenvielfalt gibt es bundesweit zum zwölften Mal – auf Initiative der Zeitschrift GEO hin. Dabei geht es darum, in einem bestimmten Bereich die Vielfalt von Pflanzen- und Tierarten aufzuspüren. Schulklassen machen mit, weil viele Augen mehr finden. Bei der Bestimmung der Arten, die oft schwer zu unterscheiden sind, helfen Experten mit. In Niebüll waren es die frühere Nordfriesland-Naturschutzbeauftragte Gisela Lübke-Twenhöven, Studiendirektor a.D. Peter Lorenz Hartwigsen und Naturkundemuseum-Leiter Carl-Heinz Christiansen.

Die jungen „Naturforscher in spe“ wurden in der Stadt und am Stadtrand in reichem Maße fündig. Mit der Wehle, dem Legerader Wald, den städtischen Grünanlagen und den vielen Gärten bot Niebüll eine bunte Artenvielfalt. So fanden die Schüler allein 150 Pflanzenarten. An Besonderheiten waren das aus dem Bereich der Waldarten die Steinmiere und das Waldbingelkraut, bei den Unkräutern Ehrenpreis und Hungerblümchen, an der Wehle der Igelkolben und unter den Baumarten die Platane sowie der in China heimische Ginkgobaum.

Unter den Tierarten wurden Vogelarten wie Mauersegler, Rauch- und Mehlschwalbe gesichtet – und im Legerader Wald soll es sogar der Eisvogel gewesen sein, der an Gewässern und Steilwänden lebt. Die Saatkrähe, die bekanntlich mit über tausend Gelegen in der Stadt heimisch ist, war ebenso wenig zu übersehen und – hören, wie die Dohle. Auch den Gelbspötter oder „Quietschvogel“ gibt es in der Stadt, der andere Vögel zu imitieren pflegt. In der Nähe des Naturkundemuseums wurde eine Pelzbiene entdeckt, die in Lehmfugen nistet und der Fleckenbiene (Kuckucks-)Eier ins Nest legt. Aufgespürt wurde auch Thea, eine Art Marienkäfer, der sich von Pilz-Belägen ernährt. Mit Käfern, Mücken, Würmern und anderem Kleingetier wurden 250 Arten gefunden und – wie bei den Pflanzen – allesamt bestimmt. Ein Teil von den Schülern selbst, die sich auf den Tag der Artenvielfalt vorbereitet haben und, wie Dr. Sörensen lobte, engagiert auf Suche gingen. Naturschutzverein, Naturkundemuseum und Schule planen eine Inventarisierung der Pflanzen- und Tierarten, diese zu ordnen und sie eines Tages in einer Art Kataster auch im Internet aufzulisten. „Bei den Schülern ist das Interesse für die Natur über die didaktische Zielsetzung hinaus geweckt“, sagte der Bio-Lehrer der FPS. „Außerdem sehen sie nun die Natur um sich herum mit anderen Augen.“
dew

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