Nordfriesland Tageblatt: Gespielte Angst: Schüler zeigen Wege auf
je 17.02.10
Mitglieder des Kurses „Darstellendes Spiel“ inszenierten menschliches Grundgefühl /Zwei Aufführungen gaben mögliche Anregungen
Gefühlen Ausdruck verleihen: Tamara Petersen lässt sich trösten. Gesten ihrer Mitmenschen sollen ihr Mut machen. Foto: dew
Niebüll - Jeder hat vor etwas Angst. Doch was ist Angst? Dieser Frage gingen Schüler des 13. Jahrgangs der Friedrich-Paulsen-Schule (FPS) gemeinsam mit Oberstudienrätin Beate Schönefeld nach. Im Kursus „Darstellendes Spiel“, einem Unterrichtsfach an der FPS, brachten sie ihre Gedanken zu diesem menschlichen Grundgefühl zu Papier, inszenierten Spielszenarien und brachten sie auf die Bühne der Aula.

Ein ebenso beeindrucktes wie nachdenkliches Publikum machte sich nach 60 Minuten begeisternden Spiels auf den Heimweg – jedoch keineswegs angsterfüllt, eher gestärkt. Denn die eine oder andere Facette dieses vielschichtigen Gefühls wird jetzt anders gesehen. „Das ist aus unserer Mitte gekommen“, sagten die angehenden Abiturienten nach dem letzten Vorhang und der abschließenden Verbeugung. Das aufmerksame Publikum, dass die erste der vier Spielszenen teilweise im Dunkel der Aula sah, durch die dunklen Schul-Korridore wandernd erlebte und verspüren sollte, wie Angst aus dem Dunkel kommt – lauernd, wartend, angriffsbereit – wurde interaktiv mit einbezogen.

Wie Menschen verschieden reagieren, sind es auch besondere Ängste, etwa die Höhen- oder Platzangst. Dazu gab es Fallbeispiele von Mutproben: Kräftige Arme fingen eine Schülerin auf, die sich mutig nach vorn geworfen hatte. Ein Schüler wagte sich trotz höllischer Platzangst durch einen engen Tunnel. In der folgenden Szene gaben die jungen Akteure der Angst ein Gesicht, um die „greifbar“ zu machen. Rhythmisches, von Musik untermaltes Sprechen zeichneten das Bild eines unter Angst leidenden Menschen, der von ihr besiegt wird, sie aber auch besiegen oder sie gar als Schutzmechanismus nutzen kann, um einer Gefahr zu begegnen.

„Solange der Erfolg unser Ziel ist, können wir Ängste nicht los werden. Denn der Wunsch erfolgreich zu sein, bringt unweigerlich die Angst zu versagen hervor“, heißt es in der Schlussszene. Als mahnendes Rezept: „Es ist besser zu diskutieren ohne eine Entscheidung zu treffen, als eine eine Entscheidung zu treffen ohne zu diskutieren.“

Ausgedacht, nachgedacht, diskutiert, aufgeschrieben, geprobt und aufgeführt. „Gute Arbeit“, würde ein Schulmeister sagen. „Klasse“ sagten Besucher der zweiten Aufführung. Mit dem Spiel um das Thema „Angst“ gaben sich Schüler der FPS, ihren Mitschülern, Eltern und Besuchern der beiden Aufführungen Anregungen an die Hand, Realität und Gefühlswelt auf die Reihe zu bekommen – und überhaupt der Angst den ihr gebührenden Respekt zu zollen.
Dieter Wrege
 

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