| Nordfriesland Tageblatt: Schüler auf Brechts Spuren | ||
| je 30.06.09 | ||
| Abiturienten führten „Kreidekreis“ auf | ||
![]() Szene aus Bertolt Brechts „Der kaukasische Kreidekreis“
Der ganze „Kreidekreis“ wurde es jedoch nicht. Strenge und Claussen hatten sich auf eine gekürzte Fassung der Brecht’schen als Parabel angelegten Geschichte geeinigt, die im Kern darauf angelegt war, den Zuschauer erkennen zu lassen, was Recht und was Unrecht ist. „Die Originalfassung zu spielen, hätte über drei Stunden gedauert“, sagte Angelika Strenge. So wurde das Vorspiel mit dem sowjetisch angehauchten Kolchosen-Streit um ein Tal außenvor gelassen. Es blieb beim Streit um ein Kind und bei der Frage, wer dessen rechtmäßige Mutter sei. Wer im Alten Testament bewandert ist, wird sich eines Urteils des König Salomon erinnern, der auch in einem Streit zweier Mütter zu entscheiden hatte. Hier ging es um den Sohn der Gouverneursfrau Natella (deren Rolle sich Miriam Blanarsch und Tanja Jochims teilten), die nach einem Aufstand fliehen muss und den Jungen zurück lässt. Des Kleinen nimmt sich die Magd Grusche (Inga Marie Andresen) an, flieht ebenfalls, sorgt sich um ihn und fühlt sich bald als rechtmäßige Mutter. Doch eines Tages fordert die leibliche Mutter das zurück. Azdak (Sascha Albers), ein in den Wirren des Aufstands als Richter eingesetzter Dorfschreiber, muss entscheiden. In einer Art eigensinniger und merkwürdiger Rechtspraxis entscheidet er mal zugunsten Unterdrückter, mal zum eigenen Vorteil. Obwohl zur Magd Grusche tendierend, setzt er die „Probe“ an: Er stellt den Jungen in einen Kreidekreis. Beide Frauen müssen versuchen, das Kind auf ihre Seite zu ziehen. Doch Grusche will den Jungen nicht verletzen und lässt los – und gibt sich damit als die wahrhaft Mütterliche zu erkennen. „Meine Schüler haben eine riesige Leistung vollbracht“, lobte Angelika Strenge, wurde darin auch durch lang anhaltenden Beifall bestätigt. Dieser galt gleichermaßen Sängern, Erzählern und dem Team, das Technik, Bühnenbild und Kostüme besorgt hatten. Zum musikalischen Part hatte Brecht zwar die Texte geschrieben. Die Musik war von Schülern komponiert worden. Engagierte Schüler und Lehrer hatten der Theatertradition ihrer Schule ein weiteres ansehnliches Kapitel angefügt. | ||