Nordfriesland Tageblatt: „Beileibe keine heile Welt“

je 29.04.09
Eine Offensive gegen Alkohol, Tabak und Glücksspiel ist in Niebüll gestartet worden. Schüler können sich bei einem Mitmach-Parcours mit Suchtgefahren auseinander setzen. In Nordfriesland macht er Station in sieben Orten.
Talkshow zum Thema Sucht: Schülerinnen und Schüler bestimmen den Schwerpunkt und legen los.

Niebüll/dew – In einer Gemeinschaftsaktion unter dem Motto „Klar sehen und den Durchblick haben“ informieren Land, Kreis, AOK und die Beratungs- und Behandlungszentren (BBZ) Niebüll, Sylt und Husum Schüler über die Gefahren von Alkohol, Tabak und Glücksspiel. Der Start der Aktion in Nordfriesland – sie ist überwiegend Achtklässlern gewidmet – erfolgte in der Friedrich-Paulsen-Schule (FPS). Bis zum morgigen Donnerstag werden 400 Zwölf- bis Sechzehnjährige in der Aula des Gymnasiums den Mitmach-Parcours „KlarSicht Schleswig-Holstein“ absolviert und eine Fülle von Anregungen zum kritischen Umgang mit Sucht-Risiken in den Schulalltag mitgenommen haben.

FPS-Schulleiter Manfred Wissel zeigte sich einerseits geehrt, dass sein Gymnasium als Startort für dieses Kooperationsprojekt ausgewählt wurde. Andererseits gestand er ein, Medien-Sucht sei auch in seinem Hause ein Thema. „Von daher ist der Mitmach-Parcours bei uns gut aufgehoben.“ Wissel betonte, ein selbst organisiertes Leben setze voraus, auf Gefahren zu reagieren. Die Schule sei auf anderen Ebenen bereits präventiv tätig. Als Beispiele nannte er die Gewalt- und Schuldenprävention. Doch hinzu gekommen sei die Medien-Sucht, das exzessive Spielen am Computer, messbar daran, dass die Noten in den achten Klassen rapide sinken und Schrägversetzungen beginnen. „Auch unser Gymnasium ist beileibe keine heile Welt“, befürwortete er die Suchtprävention und bezeichnete den Jahrgang der Achtklässler als die Schnittstelle, an der anzusetzen sei.

Initiator der landesweiten Aktion ist die Landesstelle für Suchtfragen Schleswig-Holstein (LSSH), Projektleiterin Regina Kostrzewa: „Wir stoßen die Aktion an. Die Arbeit vor Ort müssen die Schulen machen“, erklärte sie in einem Pressegespräch. Als altersgerechte Präventions-Offerte stellte sie den Parcours vor, in dem die jungen Leute fühlen, sehen und interaktiv mitmachen können, „um eigenes Verhalten zu reflektieren und zu verändern.“

Die wohl eindrucksvollste Erfahrung im Parcours machten die Teenager mit der „Rauschbrille“, die einen Blutalkoholgehalt von 1,5 Promille simuliert und verdeutlicht, wie ein Vollrausch die Sinne trübt. Exzessiv trinkende 16- bis 17-jährige männliche Jugendliche konsumieren im wöchentlichen Schnitt 150 Gramm reinen Alkohol, so die LSSH. Jeder fünfte Jugendliche (Jungen und Mädchen) zwischen elf und 17 Jahren raucht.

Das örtliche BBZ erreichte zum Thema Sucht im vergangenen Jahr 709 Schüler, in diesem Jahr bis jetzt 633, berichtete Bernd Funk, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Südtondern. Stark zugenommen hat nach seinen Worten die Medien-Sucht. Funk: „Die männliche Jugend verspielt ihre Zukunft am PC.“ Regina Kostrzewa: „Auch hier setzt unser KlarSicht-Konzept an.“ Den Mitmach-Parcours begleiten ausgebildete Präventionsfachkräfte. Niebüll ist in Nordfriesland die erste von sieben Stationen, die 400 Achtklässler von mehreren Schulen durchlaufen. Landesweit sollen 15 000 Schüler erreicht werden.


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