Eine Offensive gegen Alkohol, Tabak und Glücksspiel ist in
Niebüll gestartet worden. Schüler können sich bei einem
Mitmach-Parcours mit Suchtgefahren auseinander setzen. In
Nordfriesland macht er Station in sieben Orten.
Talkshow zum Thema Sucht: Schülerinnen und Schüler bestimmen
den Schwerpunkt und legen los.
Niebüll/dew – In einer
Gemeinschaftsaktion unter dem Motto „Klar sehen und den
Durchblick haben“ informieren Land, Kreis, AOK und die
Beratungs- und Behandlungszentren (BBZ) Niebüll, Sylt und Husum
Schüler über die Gefahren von Alkohol, Tabak und Glücksspiel.
Der Start der Aktion in Nordfriesland – sie ist überwiegend
Achtklässlern gewidmet – erfolgte in der
Friedrich-Paulsen-Schule (FPS). Bis zum morgigen Donnerstag
werden 400 Zwölf- bis Sechzehnjährige in der Aula des Gymnasiums
den Mitmach-Parcours „KlarSicht Schleswig-Holstein“ absolviert
und eine Fülle von Anregungen zum kritischen Umgang mit
Sucht-Risiken in den Schulalltag mitgenommen haben.
FPS-Schulleiter Manfred Wissel zeigte sich einerseits geehrt,
dass sein Gymnasium als Startort für dieses Kooperationsprojekt
ausgewählt wurde. Andererseits gestand er ein, Medien-Sucht sei
auch in seinem Hause ein Thema. „Von daher ist der
Mitmach-Parcours bei uns gut aufgehoben.“ Wissel betonte, ein
selbst organisiertes Leben setze voraus, auf Gefahren zu
reagieren. Die Schule sei auf anderen Ebenen bereits präventiv
tätig. Als Beispiele nannte er die Gewalt- und
Schuldenprävention. Doch hinzu gekommen sei die Medien-Sucht,
das exzessive Spielen am Computer, messbar daran, dass die Noten
in den achten Klassen rapide sinken und Schrägversetzungen
beginnen. „Auch unser Gymnasium ist beileibe keine heile Welt“,
befürwortete er die Suchtprävention und bezeichnete den Jahrgang
der Achtklässler als die Schnittstelle, an der anzusetzen sei.
Initiator der landesweiten Aktion ist die Landesstelle für
Suchtfragen Schleswig-Holstein (LSSH), Projektleiterin Regina
Kostrzewa: „Wir stoßen die Aktion an. Die Arbeit vor Ort müssen
die Schulen machen“, erklärte sie in einem Pressegespräch. Als
altersgerechte Präventions-Offerte stellte sie den Parcours vor,
in dem die jungen Leute fühlen, sehen und interaktiv mitmachen
können, „um eigenes Verhalten zu reflektieren und zu verändern.“
Die wohl eindrucksvollste Erfahrung im Parcours machten die
Teenager mit der „Rauschbrille“, die einen Blutalkoholgehalt von
1,5 Promille simuliert und verdeutlicht, wie ein Vollrausch die
Sinne trübt. Exzessiv trinkende 16- bis 17-jährige männliche
Jugendliche konsumieren im wöchentlichen Schnitt 150 Gramm
reinen Alkohol, so die LSSH. Jeder fünfte Jugendliche (Jungen
und Mädchen) zwischen elf und 17 Jahren raucht.
Das örtliche BBZ erreichte zum Thema Sucht im vergangenen Jahr
709 Schüler, in diesem Jahr bis jetzt 633, berichtete Bernd
Funk, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Südtondern. Stark
zugenommen hat nach seinen Worten die Medien-Sucht. Funk: „Die
männliche Jugend verspielt ihre Zukunft am PC.“ Regina Kostrzewa:
„Auch hier setzt unser KlarSicht-Konzept an.“ Den
Mitmach-Parcours begleiten ausgebildete Präventionsfachkräfte.
Niebüll ist in Nordfriesland die erste von sieben Stationen, die
400 Achtklässler von mehreren Schulen durchlaufen. Landesweit
sollen 15 000 Schüler erreicht werden. |