Nordfriesland Tageblatt: Am Ende zahlen andere die Zeche

je 23.03.09
„Attac“-Deutschland-Mitbegründer Sven Giegold war in der FPS zu Gast und erklärte Schülern die Entstehung sowie die Folgen der Finanzkrise.

Rollenspiel

Niebüll/dew – Jeder Mensch hat den gleichen Wert. Doch die Gestaltung der Wellt sollte denen überlassen werden, die auch an das Gemeinwohl denken. Das erklärte der Wirtschaftswissenschaftler Sven Giegold (Verden/Aller) vor Schülern des elften Jahrganges der Friedrich-Paulsen-Schule und der deutsch-dänischen Europaklasse. Auf der Schulveranstaltung im Rahmen des Unterrichtsfaches „Wirtschaft & Politik“ ging es vor allem um das so genannte gesellschaftliche Bündnis „Attac“.
„Attac“ ist das französische Kürzel für „Vereinigung zur Besteuerung von Finanztransaktionen im Interesse der Bürger“. Sven Giegold gehört zu den 200 Gründern von „Attac“-Deutschland, das Teil einer globalen Bewegung mit annähernd 100 000 Mitgliedern in 50 Ländern ist. Zu einer seiner wichtigsten Aufgaben bei „Attac“ gehört die intensive Vortrags- und Medienarbeit.

In der Aula der FPS traf der Wissenschaftler auf nach seinen Worten „überdurchschnittlich vorbereitete Schüler“, mit denen er auch gleich „ala Puppenspiel“ in eine Szenerie einstieg, die die derzeitige weltweite Finanzmisere deutlich macht. Folke Brodersen mimte einen Amerikaner, der ein Haus bauen will, dieses sich eigentlich mangels Eigenmitteln nicht leisten kann, es aber dennoch baut. Marten Hansen, er spielt einen Banker und Kreditgeber, gewährt ein Darlehen, obwohl er weiß, dass dieser Häuslebauer nichts „auf der Naht hat“. Es folgt eine Fülle „solcher“ Kredite. Tina Jordt, sie spielt eine Managerin in einer Investment-Bank, sammelt und „verbrieft“ die Kredite zu einem international handelbaren Produkt, das Ralf Petersen in seiner Eigenschaft als „Rater“ wissentlich falsch benotet und somit foul spielt – mit dem Ziel Profit zu machen. Darauf fällt auch Galina Homich, sie mimt eine Bank-Managerin, herein – und kauft in gutem Glauben ein, was allenfalls einen Wert „für die Katz“ hat.

Die Kette der „Verantwortungs-Verschiebungen“ funktioniert, macht Sven Giegold deutlich. Die „Bankmanager“ machen gute „Geschäfte“ und sacken (viertel- bzw. halbjährig) satte Boni ein und scheren sich einen Teufel darum, was später kommen könnte, so der Referent. Sie hätten millionen- oder milliardenschwer ausgesorgt, und das in kürzester Zeit. Ein System kollektiver Verantwortungslosigkeit habe sie reich gemacht. Doch eines Tages (wie auch geschehen) geht das Geldsystem kaputt. Geht eine Bank pleite, fällt das System zusammen. Darunter leidet auch die kleine Bank, die den Kreditbedarf in der Region nicht mehr bedienen kann. Am Ende hab der Steuerzahler die Zeche zu tragen.

„Attac “ beleuchtet eine Vielzahl von Facetten, macht auf die stetig aufklaffende Schere zwischen arm und reich aufmerksam. Aber auch der Hinweis die starken Klimaveränderungen ist ein Anliegen der Organisation, sowie das Versagen der Politik, die an dramatischen Veränderungen vorbei schaue und somit nötige Kontrollstandards absenke. Globalisierung sei zunächst so verstanden worden, „dass man von überall etwas bekam“. Doch bald habe sich herausgestellt, dass es den Märkten an sozial-ökonomisch-ökologischen Regeln mangelte.

Giegold warnte vor der Rückkehr zu einer Renationalisierung der Politik. Als politische Lösung böte sich ein Weltparlament an. Europa habe einen solchen Schritt schon getan – und in Sachen Klima und Umwelt einiges erreicht. Doch mangele es an Entscheidungskompetenz, kritisierte der Wirtschaftswissenschaftler.

„Attac“ sei angetreten, international Druck zu erzeugen, Krisen zwischen Staaten solidarisch zu regeln – und mit Simultan-Demos Hoffnung zu erzeugen. Sven Giegold will seine Vorstellungen politisch umsetzen. Er war im Fernsehen zu Gast bei „Anne Will“ und hat auch schon mit Peer Steinbrück „die Klingen gekreuzt“. Die Schüler und Lehrer verbuchten den Besuch von Sven Giegold in Niebüll jedenfalls für sich als Gewinn.


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