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„Attac“-Deutschland-Mitbegründer Sven Giegold war in der FPS zu
Gast und erklärte Schülern die Entstehung sowie die Folgen der
Finanzkrise.
Niebüll/dew – Jeder Mensch hat
den gleichen Wert. Doch die Gestaltung der Wellt sollte denen
überlassen werden, die auch an das Gemeinwohl denken. Das
erklärte der Wirtschaftswissenschaftler Sven Giegold (Verden/Aller)
vor Schülern des elften Jahrganges der Friedrich-Paulsen-Schule
und der deutsch-dänischen Europaklasse. Auf der
Schulveranstaltung im Rahmen des Unterrichtsfaches „Wirtschaft &
Politik“ ging es vor allem um das so genannte gesellschaftliche
Bündnis „Attac“.
„Attac“ ist das französische Kürzel für „Vereinigung zur
Besteuerung von Finanztransaktionen im Interesse der Bürger“.
Sven Giegold gehört zu den 200 Gründern von „Attac“-Deutschland,
das Teil einer globalen Bewegung mit annähernd 100 000
Mitgliedern in 50 Ländern ist. Zu einer seiner wichtigsten
Aufgaben bei „Attac“ gehört die intensive Vortrags- und
Medienarbeit.
In der Aula der FPS traf der Wissenschaftler auf nach seinen
Worten „überdurchschnittlich vorbereitete Schüler“, mit denen er
auch gleich „ala Puppenspiel“ in eine Szenerie einstieg, die die
derzeitige weltweite Finanzmisere deutlich macht. Folke
Brodersen mimte einen Amerikaner, der ein Haus bauen will,
dieses sich eigentlich mangels Eigenmitteln nicht leisten kann,
es aber dennoch baut. Marten Hansen, er spielt einen Banker und
Kreditgeber, gewährt ein Darlehen, obwohl er weiß, dass dieser
Häuslebauer nichts „auf der Naht hat“. Es folgt eine Fülle
„solcher“ Kredite. Tina Jordt, sie spielt eine Managerin in
einer Investment-Bank, sammelt und „verbrieft“ die Kredite zu
einem international handelbaren Produkt, das Ralf Petersen in
seiner Eigenschaft als „Rater“ wissentlich falsch benotet und
somit foul spielt – mit dem Ziel Profit zu machen. Darauf fällt
auch Galina Homich, sie mimt eine Bank-Managerin, herein – und
kauft in gutem Glauben ein, was allenfalls einen Wert „für die
Katz“ hat.
Die Kette der „Verantwortungs-Verschiebungen“ funktioniert,
macht Sven Giegold deutlich. Die „Bankmanager“ machen gute
„Geschäfte“ und sacken (viertel- bzw. halbjährig) satte Boni ein
und scheren sich einen Teufel darum, was später kommen könnte,
so der Referent. Sie hätten millionen- oder milliardenschwer
ausgesorgt, und das in kürzester Zeit. Ein System kollektiver
Verantwortungslosigkeit habe sie reich gemacht. Doch eines Tages
(wie auch geschehen) geht das Geldsystem kaputt. Geht eine Bank
pleite, fällt das System zusammen. Darunter leidet auch die
kleine Bank, die den Kreditbedarf in der Region nicht mehr
bedienen kann. Am Ende hab der Steuerzahler die Zeche zu tragen.
„Attac “ beleuchtet eine Vielzahl von Facetten, macht auf die
stetig aufklaffende Schere zwischen arm und reich aufmerksam.
Aber auch der Hinweis die starken Klimaveränderungen ist ein
Anliegen der Organisation, sowie das Versagen der Politik, die
an dramatischen Veränderungen vorbei schaue und somit nötige
Kontrollstandards absenke. Globalisierung sei zunächst so
verstanden worden, „dass man von überall etwas bekam“. Doch bald
habe sich herausgestellt, dass es den Märkten an
sozial-ökonomisch-ökologischen Regeln mangelte.
Giegold warnte vor der Rückkehr zu einer Renationalisierung der
Politik. Als politische Lösung böte sich ein Weltparlament an.
Europa habe einen solchen Schritt schon getan – und in Sachen
Klima und Umwelt einiges erreicht. Doch mangele es an
Entscheidungskompetenz, kritisierte der
Wirtschaftswissenschaftler.
„Attac“ sei angetreten, international Druck zu erzeugen, Krisen
zwischen Staaten solidarisch zu regeln – und mit Simultan-Demos
Hoffnung zu erzeugen. Sven Giegold will seine Vorstellungen
politisch umsetzen. Er war im Fernsehen zu Gast bei „Anne Will“
und hat auch schon mit Peer Steinbrück „die Klingen gekreuzt“.
Die Schüler und Lehrer verbuchten den Besuch von Sven Giegold in
Niebüll jedenfalls für sich als Gewinn. |