Nordfriesland Tageblatt: FPS: Schüler machen Politik

je 04.07.08

Bei einem Planspiel hatten Gymnasiasten europaweite Entscheidungen zu treffen

 

Ilka Petersen als Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero (links) und „Außenministerin"“Katja Lorenzen alias Miguel Ángel Maratinos Cuyaubé erinnerten an den Erfolg Spaniens bei der EM. Foto: dew

 

Niebüll/dew – In einem mehrstündigen EU-Planspiel demonstrierten Gymnasiasten der Friedrich-Paulsen-Schule, wie auf europäischer Ebene Politik gemacht wird. 57 Schüler der Leistungskurse Wirtschaft und Politik (WiPo) bildeten den Europäischen Rat und beschäftigten sich mit einem seit geraumer Zeit aktuellen Thema: die von der Türkei angestrebte Aufnahme in die EU.

Aufmerksamer Beobachter der Schulveranstaltung, die sich in die Themen des Lehrplans einordnet, war Enrico Kreft von den „Jungen Europäischen Förderalisten e.V.“, einer überparteilichen Jugendbewegung, die sich seit über 50 Jahren für ein vereintes Europa mit förderalen Strukturen einsetzt. Geleitet und moderiert wurde das Planspiel von den WiPo-Lehrern der FPS Christoph Osterkorn und Jan Wolters. Die Schülerinnen und Schüler bildeten wie im Europäischen Rat Zweierteams, bestehend aus dem jeweiligen Ministerpräsidenten und Außenminister der 27 EU-Mitgliedsstaaten. Ihre Plätze in der Aula waren geschmückt mit der jeweiligen Landesfahne, die eine oder andere „echt“, die meisten in Handarbeit nachempfunden. Die spanische Flagge war sogar verziert mit dem Zusatz „Europameister“. Spaß durfte sein. Er lockerte den fünfstündigen Redemarathon auf, bestehend aus Statements, auf die sich die Schüler vorab vorbereiten konnten.

Die „Regierungschefs“ begrüßten die Runde ihrer Amtskollegen weitgehend in der Landessprache, bevor es auf gut Deutsch zur Sache ging. Aus dem Trend der Wortbeiträge war kaum ein deutliches Ja zum Beitritt der Türkei herauszuhören, eher ein schwaches „Ja-aber“. Das „Aber“ deutete auf die von der Runde der Staaten geforderte Erfüllung von Bedingungen hin, bevor man eine EU-Aufnahme befürworten wollte. Dazu gehörten, wie anklang, die Sicherung der Menschenrechte, die Lösung regionaler und ethnischer Konflikte (Zypen/Kurden), die Position der Frau, wirtschaftliche Probleme.

Die nach lebhafter Aussprache zustande gekommene „Niebüller Erklärung“ endete mit dem Angebot einer „privilegierten Partnerschaft“ an Ankara. Aussichtsreichere Perspektiven wurden erst in Aussicht gestellt, wenn die gestellten Bedingungen erfüllt sind. Die Türen nach Europa stünden aber weiterhin offen.

Anerkennung gab es von Beobachter Enrico Kreft und von den beiden Pädagogen, die Schüler erlebten, die sich mit ihrer Rolle identifizierten und, wie Christoph Osterkorn befand, „fast schon wie im richtigen Leben agierten“.

 

In großer Runde: das Plenum des „Europäischen Rates“.


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