Nordfriesland Tageblatt: Begründer einer modernen Pädagogik

je 17.09.08

Schon Friedrich Paulsen sprach vom „lebenslangen Lernen“. In einer Feierstunde zu Ehren des Namenspatrons der FPS wurde deutlich, dass viele Ideen des Pädagogen noch heute zeitgemäß sind.

Der Mittel- und Oberstufenchor bestritt den musikalischen Teil des Gedenkabends.

 

 

Niebüll/dew – Um Friedrich Paulsen zu verstehen, muss man seine Wurzeln kennen.“ Mit diesen Worten lenkte Oberstudiendirektor Manfred Wissel den Blick einer interessierten Schulgemeinde auf das Leben und Wirken des Philosophen und Begründers der modernen Pädagogik Friedrich Paulsen. Anläßlich seines 100. Todestages fand in der Aula der Friedrich-Paulsen-Schule ein Gedenkabend statt. Der in Langenhorn geborene Nordfriese hatte dem Niebüller Gymnasium seinen Namen gegeben.

Im Rahmen des vom Nordfriisk Instituut initiierten „Friedrich-Paulsen-Jahres“ hatte in der Langenhorner St. Laurentius-Kirche bereits eine Gedenkfeier stattgefunden, in der Institutsdirektor Prof. Dr. Thomas Steensen den Werdegang des großen Sohnes seiner Gemeinde schilderte (unsere Zeitung berichtete). Im Focus seines Vortrags in der Aula der FPS standen nun vor allem das wissenschaftliche Werk und die Bedeutung Paulsens für die heutige Pädagogik. Schüler aus dem Geschichtskursus von Karsten Giltzau reicherten den Vortrag mit Zitaten aus der Biographie Paulsens an. Gast des Gedenkabends war Oberstudiendirektor Dr. Jobst Werner, Leiter des Berlin-Steglitzer Gymnasiums, das, wie die FPS auch, Paulsens Namen trägt, weil dieser in Steglitz lebte und am 14. August 1908 dort verstorben ist. Der Mittel- und Oberstufenchor unter der Leitung von Oliver Schultz-Etzold gab dem Gedenkabend einen stimmungsvollen Rahmen.

Während seiner Schulzeit an der FPS sei wenig über Friedrich Paulsen gesprochen worden, erinnerte sich Thomas Steensen. Desgleichen bedauerte er es, dass die Gedenktafel neben der Eingangstür zur Aula übertüncht wurde. Die Tafel enthielt die von Paulsen knapp formulierte Bilanz seines Lebens.

Paulsen, so berichtete Professor Steensen, wandte sich dagegen, dass nur das altsprachliche Gymnasium den Weg in die Universität öffnete. Mit seinem ersten und noch heute gültigen wissenschaftlichen Werk „Geschichte des gelehrten Unterrichts auf den deutschen Schulen und Universitäten vom Ausgang des Mittelalters bis zur Gegenwart“ verlangte er die Gleichberechtigung der Oberrealschulen und Realgymnasien – und erntete nach dessen Veröffentlichung einen Sturm der Entrüstung. Auf einer Schulkonferenz 1890 soll ihn Kaiser Wilhelm II. „mit harten blauen Augen starr und fast drohend“ angesehen haben. Doch was Paulsen sagte, machte ihn zum Mann der Zeit und – wie Historiker bestätigten – die „Schule der besitzenden Klassen“ zur „Schule der Talente.“

Paulsen war indes nicht nur der geistige Vater der modernen Pädagogik. Er war gleichsam eine Art Ratgeber für alle Lebenslagen, indem er sich mit Begriffen wie Tugend, Moral, Ehre, Gewissen und Gerechtigkeit auseinander setzte. Auch entwickelte er das Konzept der „Fortbildungsschule“, aus der sich die Berufsschule entwickelte und setzte sich für lebenslanges Lernen an Volkshochschulen als „Hochschulen des Volkes“ ein. Bildung sei für ihn die wichtigste Angelegenheit des Lebens. „Nicht, was man weiß, sondern was man mit seinem Wissen anzufangen weiß, ist entscheidend für die Bildung einer Persönlichkeit.“

In den Universitäten sah Paulsen das moralische Gewissen der Nation. Aus der Heimat mitgebrachte Gleichheitsgefühle aus der nordfriesischen Bauernwelt waren der Resonanzboden für seine politischen Gedanken. Er hielt zwar an der Monarchie als Staatsform fest, plädierte aber für ein „Soziales Volkskönigtum“. Paulsen sei einer der wenigen im gebildeten Bürgertum gewesen, die die Gefahren des Nationalismus klar beim Namen nannten.

Die Leiter der beiden Paulsen-Gymnasien: Dr. Jobst Werner und Manfred Wissel.

 

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