Dem Plagiator auf den Fersen: Hetzjagd durch die Musikgeschichte
jn 27.05.05
Niebüll (dew) - Nach dem musikalischen Trip um die Welt frei nach Jules Verne unternahmen 80 Schülerinnen und Schüler der Friedrich-Paulsen-Schule erneut eine Reise. Dieses Mal führte sie in die Vergangenheit großer Tondichter und populärer Popmusiker. Reiseführer und geistige Eltern dieses zweiten großen Musicals war das Duo der Studienräte Oliver Schultz-Etzold (Musik) und Anja Kretschmann (Libretto). Anja Kretschmann: "Nach der Reise um die Welt: warum nicht wieder eine Reise?" Oliver Schultz-Etzold: "Es hat einen Riesenspaß gemacht, in der Musikliteratur zu stöbern."
Am Zeitspiegel: Lucy (Christina Deussing) und Theo (Michael Wolff)
Zur Hauptfigur der Handlung ihres Musicals hatten die beiden einen in Examensnöten stehenden Musikstudenten erkoren, dem seine Professoren aufgegeben hatten, ein eigenes Stück zu komponieren. Überfordert und voller Angst greift der arme Theo Piltz zum Mittel der geistigen Anleihe bei großen Musikschaffenden wie Mozart, Beethoven, Bach, Schumann und den Beatles. Plagiat nennt man so was - und den, der klaut, Plagiator. Diesen Titel gaben Kretschmann & Schultz-Etzold auch ihrem Musical. Theo wird erwischt, und bekommt aber die Chance, in vier Tagen ein eigenes Stück vorzulegen. Da entdecken er und Freundin Lucy einen geheimnisvollen Zeitspiegel, der Reisen in die Vergangenheit ermöglicht. Sie nutzen den Spiegel dazu, die Musikgrößen verschiedener Epochen am Komponieren zu hindern und sich deren geistige Produkte selbst zu eigen zu machen. Ein Kommilitonen-Trio bekommt das mit, steigt ebenfalls durch den Spiegel und verfolgt die beiden, um sie an ihrem durchtriebenen Spiel zu hindern. Es folgt eine amüsante Hetzjagd mit vielen Highlights. Ein Happy End bleibt aus. Theo steht am Ende mit leeren Händen da und vermittelt allen die Botschaft, dass nur die eigene Leistung zählt und nicht geistiger Diebstahl. Die Intermezzi zwischen vorgestern und heute waren in Sprache, Handlung und Habitus ihrer Zeit gespielt. Locker und vergnüglich wurde vom Leben bei Hofe Bericht erstattet und gekonnt das von Sonja Stümer einstudierte mäßig schnelle Menuett getanzt. Gestik und Kostüme (teuer dem Fundus des Landestheaters entliehen) riefen atemloses Erstaunen hervor, ebenso der vocale und instrumentale Zeitmix, treffsicher "geklaut" und arrangiert von Schultz-Etzold und gut vorgetragen von Solisten, Kleingruppen und Chor. Für alle sei es sehr anstrengend gewesen, berichteten die beiden Pädagogen. Doch ihre Schülerinnen und Schüler - 80 an der Zahl - hätten sich allesamt teamfähig, organisatorisch pfiffig, rücksichtsvoll, flexibel und reaktionsschnell gezeigt. Sie hielten auch dem Premierendruck stand, der sich vollends löste, als die Bettstatt des später berühmt gewordenen jungen Herrn Mozart unter der Last allzu stürmischer Sorge um den Patienten zusammenkrachte. Auch die fliegenden Wechsel im Orchestergraben zwischen Querflöte, Blech und Streichinstrumentarium klappten nahtlos. Es machte dem jungen Ensemble (die vorzüglich funktionierende Technik im Hintergrund nicht zu vergessen) mit fortschreitender Spieldauer offensichtlich mehr und mehr Spaß. Das galt auch für die Zuschauer. Im Sommer 2004 wurde das Unternehmen Musical angegangen. Nach den Sommerferien liefen Casting und erste Proben, deren Zahl sich nach und nach steigerte. Bei der Generalprobe am Vormittag der Premiere kam das Gefühl auf "wir schaffen’s", am Abend fand dieses Gefühl eine von viel Applaus gekrönte Bestätigung. "Heute ist an der Friedrich-Paulsen-Schule Musikgeschichte geschrieben worden", lobte ein entzückter Schulleiter Wolfgang Raloff und fügte euphorisch hinzu: "Ich beglückwünsche euch. Ihr seid professionell und habt eure Sache phantastisch gemacht." Er sprach den Zuschauern aus dem Herzen. Und deren Wunsch nach Zugabe erfüllten die "Beatles" von der FPS mit einem Stück der berühmten Liverpooler Pilzköpfe.
Theo bei Hofe mit dem Herzog (Torben Bathke). Foto: Wrege

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