Nordfriesland Tageblatt: Herausforderung für den Vereinssport
je 30.01.10
Was ist, wenn Training ist und kein Jugendlicher kommt auf den Platz oder in die Halle, wo der Übungsleiter vergeblich wartet, weil alle seine Schützlinge noch in der Schule sind? Diese Situation befürchten vor allem ländliche Sportvereine, wenn die Offene Ganztagsschule (OGS) kommt.
Gesprächspartner: Jan Wolters, Thomas Niggemann, Günter Fleskes und Christian Knies (von links) Foto: Wrege
Von Dieter Wrege - Dass sie kommt, daran geht kein Weg vorbei. Die Folgen dieser politisch und gesellschaftlich gewollten Neuerung im Schulwesen standen im Fokus einer Regionalkonferenz, zu der der Kreissportverband Nordfriesland, die Friedrich-Paulsen- und die Regionalschule Niebüll die Sportvereine ihres Einzugsgebiets an einem Tisch gerufen hatten, um zu informieren, zu diskutieren und möglichen Problem rechtzeitig zu begegnen.

Schützenhilfe kam vom Landessportverband (LSV) von Geschäftsführer Thomas Niggemann, der das Projekt "Schule und Verein" vorstellte, ein 1992 gemeinsam von LSV und Bildungsministerium auf den Weg gebrachtes Partnerschaftsmodell, an dem sich mittlerweile 700 Vereine im Land beteiligen. Kern ist eine so genannte "außerunterrichtliche Schulsportarbeitsgemeinschaft" in Trägerschaft eines Vereins.

Die Kooperation soll in allen Schularten machbar sein - auch im Rahmen von Ganztags- und Betreuungsangeboten an den Schulen. Die AG kann in allen Sportbereichen wie Breiten-, Freizeit- und Fach bezogenem Sport angeboten werden. Die Angebote werden gemeinsam von Schule und Verein initiiert - in der Regel von qualifizierten Vereins-Übungsleitern bzw. Trainern.

Die Offerten von Bewegung, Spiel und Sport werden, wenn sie regelmäßig und langfristig angelegt sind, gefördert. Die Förderung muss aber von Schule und Verein gemeinsam beantragt werden. Vor den vom LSV gezahlten Übungsleiter-Zuschüssen, die zwischen vier und acht Euro pro Unterrichtseinheit betragen, liegen einige bürokratische Hürden, die der Achtruper TSV-Chef Norbert Nielsen mit dem Hinweis kommentierte, dass so viel Bürokratie auch das Ende eines ländlichen Sportvereins bedeuten könne.

In der vom KSV- Vorsitzenden Günter Fleskes moderierten Runde wurde lebhaft diskutiert. Oberstudiendirektor Manfred Wissel (FPS): " Der Weg zur OGS ist unumkehrbar." Ihre Gestaltung werde vorbereitet, die Schüler würden künftig bis etwa 17.30 Uhr in der Schule sein. Die Schule erkenne Interessenskollisionen: "Wir werden uns zusammensetzen und nach für alle Beteiligten tragbaren Lösungen suchen."

Thomas Niggemann bezeichnete den Sport als den größten Partner der Offenen Ganztagsschule. Der LSV gehe das Thema offensiv und auf Augenhöhe mit den Vereinen an. Nachdem in den Anfängen der Neuerung zunächst nur an bauliche Maßnahmen gedacht worden sei, folge der Denkprozess darüber, was denn werde, wenn die Kinder den ganzen Tag in der Schule sind.

Die Sportstättenfrage sieht der LSV-Geschäftsführer vorerst noch als schwierig und empfiehlt, rechtzeitig mit den Kommunen zu verhandeln. Personelle Regelungen seien machbar. Allerdings müssten sich die Übungsleiter umstellen. Hatten sie bisher mit Jugendlichen zu tun, die freiwillig zum Training kamen, so sind es künftig auch solche, die einerseits "keinen Bock" auf Sport haben, andererseits aber "verpflichtet" sind, an der Sportstunde teilzunehmen. Der Sportverein sei künftig nicht nur Kooperations- sondern auch "Bildungspartner" der Schule.

Was weder Schule noch Sport wollen, ist eine dritte Dimension in Form eines Schulsportvereins e.V. Niggemann ermunterte dazu, neben Risiken auch Chancen für den Sport zu sehen. Es könne sein, dass sich im "offenen Angebot" auch mal ein Talent offenbare, das man im Verein nicht entdeckt hätte. Doch Tatsache sei, dass Kinder und Jugendliche bis nachmittags in der Schule sein werden - und das Interesse am Sport verlieren können.

Christian Knies (Fachschaft Sport an der Regionalschule): "Es kann sein, dass der Vereinssport im Jugendbereich bergab geht." Harald Eis (MTV Leck) sieht diese Probleme nicht. In weiteren Diskussionsbeiträgen wurde bei aller Komplexität deutlich, dass Probleme nur in enger Zusammenarbeit von Schule und Sportverein gelöst werden können, zumal es um die Zukunft des Kinder- und Jugendsports geht.

"Die Vereine sind sensibilisiert", hofft KSV-Chef Günter Fleskes und mahnte an, sich mit der Entwicklung rechtzeitig auseinander zu setzen. An der Regionalkonferenz in der FPS nahmen Vertreter von sieben der 14 Sportvereine im Amt Südtondern teil. Insgesamt zählt der KSV Nordfriesland 210 Vereine mit 56 000 Mitglieder, darunter 20 000 Jugendliche. Regionalschule und FPS Niebüll zählen knapp 2000 Schülerinnen und Schüler.

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