Gesehen, geküsst, gestorben

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Theater-AG der Friedrich-Paulsen-Schule zeigt moderne Variante von Shakespeares Romeo und Julia

Theater-Premiere an der Friedrich-Paulsen-Schule – mit großartigem Erfolg, dem ein noch gößeres Erstaunen über die Leistung so mancher Besetzung in den Nebenrollen folgt. Basierend auf Shakespeares tragischem Geschehen um Romeo und Julia kommt ein von den Akteuren, die sich gleichermaßen als Autoren beweisen, stark aktualisiertes Handlungsgeschehen unter dem Titel „Gesehen, Geküsst, Gestorben“ zur Aufführung.

Von Szene zu Szene erweist sich einmal mehr, welch Potenzial an dem Gymnasium zu Hause ist. Dazu kommen zwei dem Unterrichtsfach „Darstellendes Spiel“ mit einer gehörigen Portion an Herzblut verbundene Lehrkräte: Doreen Frank und Anja Kretschmann investieren sehr viel Zeit, Kraft und Können in ihre Theatertruppe. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, wovon der starke Applaus in der voll besetzten Mensa zeugt. Die Mitwirkenden selbst zollen mit Worten und Präsenten ihren beiden Lehrerinnen Dank und Anerkennung.

Dramaturgisch geschickt beginnt die Aufführung mit dem Selbstmord der beiden Liebenden, die den Spannungsbogen mit der Fragestellung aufbaut, warum das alles geschehen konnte. Knappe 90 Minuten vermitteln in die Gegenwart transferierte Szenen Einblicke in eheliche Konflikte, Wirtschaftsverbrechen, jugendliches Cliquenverhalten oder Eifersüchteleien. Elterlicher Starrsinn schließlich, an dem Heranwachsende zu zerbrechen vermögen, gerät zum Dreh- und Angelpunkt der Handlung.

Im Zentrum: Romeos und Julias Liebe zueinander, von Erik Christiansen und Sina Witt unermüdlich und mit viel Fleiß verdeutlicht. Beide hatten ein gehöriges Pensum zu lernen und zu sprechen.

So Niels Andresen als Julias Vater, der hinter der Bühne bekennt, erstmals vor Publikum aufzutreten. Er meistert seine Rolle mit erstaunlichem Geschick und heimst dafür manchen Lacher, gar Szenenapplaus ein. Nicht minder: Esther Johannsen als seine Ehefrau. Oder Timo Rahtkens und Marie Mayer als Romeos Eltern. Beide spielen souverän, als hätten sie jahrelange Übung darin. Überzeugend in ihrer Rolle als esoterisch angehauchte Lorenza Lara Kirchheim. Daneben Dennis Lorenzen als Paris, vielseitig und geschickt.

Kathleen Anton (Julias Nanny), Kim Jensen (Regisseurin) und Torge Martinen (Dramaturg) sieht und hört man gerne. Sie unterbrechen regelmäßig den Verlauf des Stückes, klären auf oder kommentieren. Mika Blauert, der beim Probenbesuch als Spaßvogel auffiel, ist an diesem Abend nicht wieder zu erkennen. Kurz vor Spielbeginn noch sagt er: „Ich bin unheimlich nervös.“ Dann steigert Mika sich als Mercutio von Auftritt zu Auftritt, erweist spielerisches Talent und sorgt gemeinsam mit Maxim Kruschinski als zweitem Mercutio für manchen Lacher. Den beiden gesellt sich Merle Johannsen mit wildem Haarschopf als Benvolia hinzu. Diese Clique gibt mit Kiffen und Party einen überzeugenden Gegenentwurf zum nachdenklichen Romeo.

Die Inszenierung gerät kurzweilig, da geschickt in Gliederung und Aufbau. Videoclips wechseln mit Musikeinlagen oder Tanzaufführungen. Umgangssprachlich gefärbten Partien folgen Originalpassagen, die Shakespeare zu Gehör bringen. Als gelungen darf deshalb diese „Partnerschaft“ von aktuellen Bezügen und tradierter Überlieferung bezeichnet werden. Wie üblich im Hintergrund, aber unverzichtbar: die Technik. Kein erfolgreiches Stück ohne Malte Münchow, Tim Dau und Salem Grosche. Auch Carsten Brix bringt sich als musikalischer Berater ein.

von Klaus Lorkowski (Nordfriesland Tageblatt, 18.06.2018)

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